|
Studierende der Zweijährigen Fachschule
Oldies but Goodies
Das berufliche Schulwesen, sehr vielfältig. Die TLS, sehr groß.
Und doch fallen wir auf. Für Schüler sind wir meist etwas zu alt. Für
Lehrkräfte eher zu jung. Wir sind Studierende der Zweijährigen
Fachschule für Technik, einer Technikerschule der Fachrichtung
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.
Wir werden in "Wikipedia" so beschrieben: "Als Techniker
oder Technikerin bezeichnet man allgemein eine Person, die in
einem technischen Beruf tätig ist. Als Berufsbezeichnung entspricht
'Techniker' dem Abschluss einer Technikerschule in Verbindung mit
einer vorgeschrieben praktischen Berufserfahrung."
Im Infoblatt der TLS über unsere Schulform kann man folgendes
lesen: "Die berufliche Weiterbildung an der Technikerschule
(Zweijährigen Fachschule) hat zum Ziel, qualifizierte Fachkräfte
mit beruflicher Erfahrung zu befähigen, Aufgaben im mittleren
Funktionsbereich der Wirtschaft zu übernehmen. Die erfolgreich
abgelegte Abschlussprüfung berechtigt zur Führung der Berufsbezeichnung
'Staatlich geprüfte(r) Techniker(in)'".
Die Schule feierte kürzlich 40. Jahrestag und uns gibt es an der TLS seit
33 Jahren. Angesichts des oben angeführten Zitates wird verständlich,
dass wir emsig lernen müssen, um mit Stofffülle, zusätzlichen Unterrichtsangeboten,
Klausur- und Prüfungsdruck klar zu kommen. Wo sollen da die Highlights für
einen Bericht auf der Internet-Präsenz herkommen? Glücklicherweise
gehört seit 20 Jahren Projektarbeit zu unserer Ausbildung. In
diesen Jahresprojekten soll unsere Teamfähigkeit gefördert und unsere
Methodenkompetenz erweitert werden.
Keine Frage, hier gibt es den Stoff, aus dem unvergessene
Schülerlebnisse gemacht werden.
Wir fristen unser Schulleben seit Jahren hauptsächlich in drei Containern
auf dem Fahrzeughof. Den zahlreichen Nachteilen dieses Standorts
stehen genügend Vorteile gegenüber. Vor allem genießen
wir den Zugang zu Gruppenräumen und PCs, unabhängig von
Stundenplan, Bürozeiten und Lehreraufsicht. Diese Lernsituation
fördert die gewünschte selbstverantwortliche Tätigkeit im Projekt.
Wir rechnen, noch im Frühjahr des Jahres 2008 in den Erweiterungsbau der
TLS einziehen zu können. Gleichwohl findet diese Arbeit oft an Lernorten
außerhalb der Schule statt.
Casa Cotigo
Am weitesten entfernt war wohl "Casa Cotigo", ein Projekt
in Portugal. Im Südwesten des Landes sollte eine Bildungs- und
Erholungsstätte für Menschen mit einer Behinderung entstehen. Der
Erwerb der Immobilie hatte die idealistischen Betreiber an den
Rand der finanziellen Möglichkeiten gebracht. Nun ist aber auch
im warmen Portugal ein Behindertenheim nicht ohne Heizung und
Warmwasserbereitung zu betreiben. Unsere Technikerkollegen
konnten helfen. Sie meldeten das Projekt "Planung, Berechnung, Beschaffung
und Montage einer Heizungsanlage" an. Es fanden sich
Betreuer in der Lehrerschaft und es wurde geplant, berechnet, beschafft
und gebaut. Die Gießener Presse titelte: "Mit Schrauben und
anderem Handwerkszeug ab in den Flieger" und "Team der Theodor-
Litt-Schule übernimmt Montagearbeiten in portugiesischem
Freizeitheim".
Wir könnten noch viel erzählen. Zum Beispiel über den vorbereitenden
Sprachkurs mit dem bildhübschen weiblichen nativ
Speaker. Sie hat alle Projektbeteiligten nur so um den Finger gewikkelt
und sie mit ihrem Charme in kürzester Zeit zu Höchstleistungen
in der portugiesischen Sprache gebracht. Oder über das Engagement
bei der Beschaffung der Bauteile, über die Findigkeit Werkzeug
und Materialien durch Zoll und Sicherheitscheck zu bringen. Auch
aus den Unterkünften, vom Lagerleben mit nächtlichen Feuern,
von der Verpflegung und der Zusammenarbeit mit Einheimischen
gibt es unzählige Geschichten. Wir beschränken uns hier darauf,
die Protagonisten von damals mit einem Auszug aus ihrem Resümee
zu zitieren.
"Im Nachhinein betrachtet kann man feststellen, dass das
Projekt "Casa Cotigo" für uns alle eine große Herausforderung
dargestellt hat. Zu Beginn konnte noch niemand den kompletten
Rahmen des Projektes abschätzen, da die Inhalte zu Beginn des Semesters
nur grob abgesteckt waren. Außerdem war es für jeden
von uns neu, aus einer großen Entfernung von ca. 3000 km eine
Planung durchzuführen, ohne das Gebäude und das Umfeld näher
zu kennen. ... Dennoch konnten diese planerischen Mängel vor
Ort durch Improvisation behoben werden, auch wenn die strukturellen
Gegebenheiten in Portugal uns diese Aufgabe nicht erleichtert
haben. ... So waren die Themen Abwassertechnik, Maurerarbeiten
und Treppenbau ebenso Neuland wie der Bereich Photovoltaik,
der, wie schon beschrieben, nach einem Informationsaustausch
durch unser Partnerinstitut in Porto bearbeitet wurde bzw.
wird. Die Kooperation mit einem ausländischen Institut stellte ebenfalls
eine neue Erfahrung. [...] Wir haben dadurch gelernt, Transport
und Transfer zu koordinieren. [...] Weiterhin war es interessant, mit
einer neuen Sprache und Kultur in Kontakt zu treten."
Fachtagungen
Eine besondere Stellung innerhalb der Projektarbeit nehmen
unsere Fachtagungen ein. In den letzten fünf Jahren haben
Studierende dreimal die Aufgabe angepackt, sich in ihrer Projektarbeit
nicht auf das Fachliche zu beschränken, sondern organisatorische
Aufgaben zu übernehmen. Die Lehrerschaft hat diese Ansätze
unterstützt, gehören doch Organisations- und Führungsaufgaben
zum Tätigkeitsfeld des Technikers.
Die „Expertentreffs“ richten sich an Experten der Heizungsund
Klimatechnik in der Region. Neben den Studierenden und den
Lehrern finden sich unter den geladenen Gästen Professoren der
Fachhochschule, Betriebsinhaber, Meister, Facharbeiter, Vertreter
von Fachverband und Innungen und Mitarbeiter der Stadtwerke.
Ein Expertentreff fand in den eigenen Labor- und Werkstatträumen
statt. Zweimal verließen wir die TLS und tagten im Hotel Wettenberg
und in den Räumen des Fachverbandes SHK.
Folgende Stichpunkte werfen Schlaglichter auf die vielen Punkte,
die von der jeweiligen Projektgruppe bei der Organisation ihrer Tagung
bedacht werden müssen:
- Tagungsablauf, Themenwahl, Auswahl der Referenten, Terminabsprache
- Einladungen, Plakate, Werbung, Internetauftritt, Vorankündigung in der Presse
- Tagungsbüro, Wegweiser, Namensschilder, Empfang der Gäste
- Tagungslokal, Bestuhlung, technische Ausstattung
- Unterbringung der Referenten, Bewirtung der Tagungsteilnehmer
- Moderation und Feedbackabfrage
- Pressekonferenz mit Presseerklärung
Alle bisherigen Fachtagungen fanden die Anerkennung der Experten,
seien es Referenten oder Zuhörer. Entsprechend positiv war
auch die Resonanz in der Presse.
Fachwissenschaftliche Projekte
Die meisten unserer Projekte setzen sich mit fachlichen Fragestellungen
auseinander. Bei Planungsaufgaben gilt es immer ökonomische
und ökologische Fragestellungen zu bearbeiten und optimale
Lösungen zu zeigen. Gerade unsere Fachrichtung bietet viele
Möglichkeiten zur Energieeinsparung. Niedrigenergiehaus, Fernwärme,
nachwachsende Brennstoffe sind nur einige Stichwörter
dazu. Unsere Energieberatung fängt immer mit einer Bestandsaufnahme
an. Wärmebilder und Blower-Door-Test stehen beispielhaft
für moderne Methoden, die wir anwenden.
Ein weiteres Feld für unsere Projektarbeiten ist die Informationstechnik.
Die lokalen Regelungen werden durch den Einsatz
von Bussystemen (z. B. EI B) ergänzt. Fernwartung, mit allen Problemen
der Telemetrie, wird in der Haustechnik zunehmend eingesetzt
und von uns in der Projektarbeit behandelt.
Präsentation
Nicht nur die Projektarbeiten als solche sind ein wichtiger Bestandteil
unserer Ausbildung. Auch mit der Präsentation dieser
Projekte bereiten wir uns auf den zukünftigen Beruf vor. Inzwischen
institutionalisiert, findet die Vorstellung unserer Projekte jährlich
in einer öffentlichen Veranstaltung an der TLS statt. Diese Veranstaltung
ist ein kleiner "Expertentreff". Fachleute aus der TLS sowie Auszubildende
des Fachbereichs treffen sich bei diesen Tagungen mit
Interessierten von außerhalb. Dort werden die Ergebnisse aus den
Jahresprojekten vorgestellt. Jeweils im Anschluss an die Präsentation
findet eine Aussprache im Plenum statt. In der Pause bis zum
Beginn der nächsten Präsentation ist Gelegenheit für Kontaktaufnahme
und Einzelgespräche.
Beispiele aus den Projektarbeiten der Techniker
- Gießener Gebäudepass
Der Gießener Gebäudepass gibt Hausbesitzern die Möglichkeit, anhand
einer Energieberatung Mängel im und am Gebäude offen zu legen und mit
Hilfe diverser Maßnahmen den Energieverbrauch der Anlage zu verringern.
- Klimaanlage für den Laborbetrieb der TLS Aufstellung und Montage des Klimagerätes
- Aufmaß, Bestellung und Montage der Lüftungskanäle,Anschluss
des Vor- und Nacherhitzers an die bestehende Heizungsanlage
- Energieberatung für städtische Fuhrparkhalle
Ermittlung thermischer Verluste der Gebäudehülle mittels Wärmebildkamera,
Wärmebedarfsberechnung des momentanen Zustandes, Sanierungsvorschläge
und deren Amortisation - Dokumentation des Beratungsergebnisses
- Grauwasseranlage - Projektziele:
Die Installation einer Grauwasser-Recycling-Anlage an der TLS.
Das Reduzieren des Trinkwasserverbrauchs an der Schule
- Funktionsmodell einer Badewasseraufbereitungsanlage
Es wird ein Funktionsmodell einer Badewasseraufbereitungsanlage gebaut.
Die Funktionsweise von Filteranlage und Beckendurchströmung werden
sichtbar gemacht. Alle notwendigen Berechnungen, die Bauplanung, die
Fertigung und die Inbetriebnahme werden durchgeführt.
- Fernüberwachung in der Gebäudetechnik
Der Einsatz von Bussystemen ermöglicht es heute die gesamte Gebäudetechnik,
auch von mehreren Gebäuden zentral zu überwachen und zu steuern.
Dadurch ist es möglich, auftretende Fehler in großen Anlagen schnell zu
erkennen und zu beheben. Ziel dieses Jahresprojektes ist es, die Klimaanlage
im Schullabor mit Hilfe des Europäischen Installations-Busses (EI B) zu
überwachen
- Planung und Durchführung einer Fachtagung
Reflexion früherer Tagungen und Planung, Durchführung und Dokumentation
der Fachtagung Expertentreff 2005
|