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Die erste Schulpartnerschaft der TLS:
Dundee College of Further Education
Die Anfänge
Im September des Jahres 1992 reisten wir mit einer Delegation von Lehrern des Abendgymnasiums,
der Willy-Brandt- und Theodor-Litt-Schule nach DUNDEE in Schottland, um das dortige „College
of Further Education“ kennen zu lernen und ein Kooperationsabkommen zu schließen. Warum
gleich so viele? Wie kam es zu der klaren Zielsetzung gerade mit diesem College eine Zusammenarbeit
eingehen zu wollen?
Erste Kontakte waren entstanden, als Vertreter des Dundee College und der dortigen Wirtschaft
auf Einladung des Abendgymnasiums und des Ehepaares Bender-Gilchrist im April `92 Gießen
besucht hatten. Man wollte Kontakte für eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene knüpfen
und hatte sich des Schottischen Außenpostens „Gilchrist“ in Gießen bedient. Verschiedene Lehrer
der Theodor-Litt-Schule hatten sich bereit erklärt als Gastgeber zu fungieren. So entstanden schnell
gute Kontakte. Dundee College war damals ähnlich strukturiert wie z.B. die Theodor-Litt-Schule,
unterrichtete allerdings ziemlich genau die Berufe, die in Gießen an der Summe aller Berufsschulen
unterrichtet wurden und war gemessen in Schülerzahlen ungefähr so groß, wie alle Gießener Berufsschulen
zusammengenommen. So hatte man auf Gießener Seite vorsorglich mehrere Schulen ins Boot
geholt, um als gleichwertiger Partner auftreten zu können.
Erfahrungen in der Fremde
Wir landeten in Edinburgh. Am Flughafen holte uns der „College Mini-Bus“ ab und brachte
uns nach Dundee. Wir nahmen erstaunt wahr, dass eine berufliche Schule einen „College Mini-Bus“
unterhalten kann, um damit z.B. wunderbare Studienfahrten mit Schüler/innen zu machen.
In den folgenden Tagen wurde uns das College vorgestellt und die verschiedenen Ausbildungsgänge
und die Organisationsstruktur erklärt. Wir erfuhren von so genannten „modularen Lerneinheiten“,
von „Anrechnung der Lernleistungen“, sahen tolle Fachraumausstattungen und erfuhren
ganz nebenbei, dass in Großbritannien neben der so genannten „Teaching Staff“ auch eine „Non
Teaching Staff“ am College arbeitet (Verhältnis 3:2). Zu letzterer Gruppe gehören Menschen, die in
der gut ausgestatteten Kantine tätig sind, die den Mini-Bus warten, die Schulprospekte erstellen und
die Schullaufbahn- und Bildungsberatung als selbstverständliche Dienstleistung anbieten. Berufsschule
in Schottland war gerade im Umbruch zu einer Teilbudgetierung begriffen und schien Möglichkeiten
zu haben, von denen wir nur träum(t)en. Das „College Radio“ bat uns zu einem Interview
und verbreitete die Nachricht von unseren Besuch mit der Ausstrahlung in den Abendnachrichten von
„Radio Tay“ in der Region. Wir hatten sehr viel gelernt und waren sehr beeindruckt. Doch nun ging
es darum aus der Erstarrung aufzuwachen und unsere Kooperation voranzutreiben.
Dies war nicht einfach. Bei allen Beteiligten schien sich das Bewusstsein breit zu machen,
dass es hier darum ging liebgewordene, eingefahrene Wege des Unterrichtsablaufs, zu verlassen,
aus dem „Schultrott“ auszubrechen und sich Neuerungen und anderen Einflüssen auf die eigene
Arbeit zu öffnen. (Anmerkung des Verfassers: An dieser Stelle viele Auslandsexkursionen mit
Absichtserklärungen.) Natürlich fanden sich auf schottischer- und hessischer Seite Partner, die bereit
waren, den Kooperationsvertrag, der am letzten Abend offiziell geschlossen werden sollte, mit Leben
zu füllen. Das waren Bob McIntyre und Volker Thies für Kfz-Technik, sowie Bob Clarke und Gerhard
Herold für Elektrotechnik.
Der Kooperationsvertrag
Die Aufgabe der Teams war Ideen für mögliche Unterrichtsprojekte zu entwickeln. Hierbei sollte es
jeweils um zweiwöchige, gegenseitige Besuche gehen, die darum der finanziellen Unterstützung durch
die Europäische Union bedurften. Die so genannten Europäischen Kooperationsprojekte (EKPs: siehe
Kasten: „Gemeinsame Projekte“), die zu dieser Zeit mit Geldern des LINGUA - oder PETRA -Programms
gefördert wurden, verlangten aber den Abschluss eines Kooperationsvertrags.
Um dieses Abkommen in gebührendem Rahmen zu schließen, hatte Dundee College Vertreter/
innen der Kammern, der Tayside Region, eigene Mitarbeiter und die Gäste von den Gießener Schulen
zum so genannten „High Tea“ geladen. Beim Klang der „Bagpipes“ (des Dudelsack) wurden das traditionelle
schottische Gericht Haggis und Neeps and Tatties zusammen mit dem obligatorischen Whiskey
gereicht.
Ken Scott – Assistent Principal – für das Dundee College und Hans J. Schmitt für die Theodor-
Litt-Schule begründeten in programmatischen Reden die Zusammenarbeit der beiden Institutionen.
Mit diesem Vetragsabschluss wurde der Grundstein für eine nunmehr dreizehn Jahre bestehende,
erfolgreiche Partnerschaft des „Dundee International College“, wie es heute offiziell heißt, und der
Theodor-Litt-Schule gelegt.
Die Akteure
Darauf aufgebaut haben mittlerweile viele Auszubildende, Schülerinnen und Schüler der Theodor-
Litt-Schule und des Dundee College, sowie Studienreferendare des Lehramts an beruflichen Schulen.
Die Bandbreite der gemeinsamen Aktivitäten von DC und TLS reicht vom Ausbildungsprojekt,
über Europassprojekte bis hin zu Praktika und Hospitationen (siehe Kasten „Gemeinsame Projekte“).
Die langjährige Zusammenarbeit ist in erster Linie den „Workhorses“, wie sie Phillip Burford,
einer der Hauptmentoren der Partnerschaft, einmal nannte, zu verdanken. Sie haben nach einem
erfolgreichen Projekt immer wieder zum Weitermachen aufgefordert; der Satz „It is ok, let’s do it!/Lasst
es uns anpacken!“ avancierte bald zum geflügelten Wort unter Freunden. Ebensoviel Dank gebührt
aber auch den Menschen, die z.B. die Funktion eines Euro-Coordinators, eines Abteilungsleiters
oder auch eines Schulleiters einnehmen, die für reibungslose Abläufe im Hintergrund sorgen und
Verantwortung übernehmen.
Nicht zuletzt gebührt aber der Dank allen Menschen, die sich als Teilnehmer auf eine Reise in eine
fremde Kultur begeben oder als Gastgeber zur Verfügung stellen. Sie sind bereit, Neues zu erleben
und von anderen zu lernen; sie sind die eigentliche Seele der gemeinsamen Schulprojekte und werden
noch lange von ihren Erfahrungen zehren und sicher auch im weiteren Leben davon profitieren.
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